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BAFF-Pressemeldung

Pressemitteilung zu den Vorfällen beim Länderspiel Slowakei-Deutschland

Beim Länderspiel der DFB-Auswahl gegen die Slowakei am 3.9.2005 konnte man über die Außenmikrofone im Fernsehen die lautstarken Rufe „Zick-Zack Zigeunerpack“ aus der deutschen Ecke hören. Eindeutige, rassistische Äußerungen, die nicht die einzigen gewesen sind. Es wurde auch „SS SA Germania“, „Deutschland den deutschen - Ausländer raus“, „uhuhuh“-Rufe bei den dunkelhäutigen Spielern der DFB-Auswahl, "wenn bei Danzig die Polenflotte im Meer versinkt“ und „Wir sind wieder einmarschiert“ gesungen.

Nach dem Spiel gab es dazu aber keine offizielle Reaktion von Seiten des DFB oder des anwesenden Innenministers. 10 Monate vor dem WM im eigenen Land hätte man sich gewünscht, dass diese Rassismen deutlich benannt werden und ein Abgrenzung erfolgt, sich der DFB aber auch vor seinen Spieler Owomoyela stellt, der auch von slowakischer Seite durch rassistische Rufe diffamiert wurde.

Auch der Bewerber für das Präsidentenamt der UEFA, Franz Beckenbauer, gab dazu im ZDF keinen Kommentar ab. Die UEFA, die sich in vielen Aktionen gegen Rassismus ausspricht und auch FARE (Football against Racism in Europe) fördert und Strafen bei rassistischen Ausfällen verhängt, hätte einen Präsidenten verdient, der den Mut hat, sich offensiv gegen Rassismus zu stellen anstatt zu schweigen. Stattdessen wurde nur über die Auseinandersetzungen am Stadionausgang geredet, und das Ansehen von Deutschland vor der WM beschworen.

Rassistische Parolen sind nicht nur für das Ansehen des DFB sowie der WM schädlich und stellen den Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ in Frage, sondern sie sind Ausdruck einer menschenverachtenden Gesinnung. Der Kampf gegen Rassismus kümmert sich nur sekundär um den Imageschaden, wesentlich ist eine effektive und ehrliche antirassistische Arbeit, auch an der Basis und nicht nur auf Postern und T-Shirts. In diesem Kontext fordert BAFF die Verbände auf, Initiativen von FARE bei Länderspielen und während der WM zu unterstützen.

Vor dem Spiel gegen Südafrika am 7. September in Bremen wurden im Rahmen einer FIFA-Aktion wohlwollende Worte gegen Rassismus vorgetragen. Der DFB hat die Chance sich klar und deutlich von den rassistischen Parolen zu distanzieren, die aus Teilen seines Fanblocks gerufen wurden, vertan. Gutgemeinte und mühsam vom Blatt abgelesene vorgegebene Worte können das nicht ersetzen. Das Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF), das schon seit 1993 aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball tätig ist, hätte sich hier einen mutigeren Fußballbund gewünscht, der den Rassismus benennt und nicht nur Sorge über ein „schlechtes Licht“ äußert, in das man gestellt werden könnte.

BAFF fragt sich, warum der DFB beim Thema Rassismus nicht in der Lage ist, die offenkundigen Probleme klar zu benennen und seine eigenen Spieler in Schutz zu nehmen. Im Vorfeld der WM wäre es wichtig, neben den Fragen Sicherheit, Kultur-Events und Vermarktung, auch im Bereich der Antirassismusarbeit Akzente zu setzen und dabei auf die Kompetenz und Erfahrung von regionalen Projekten vor Ort, der Arbeit der Fanprojekte und von FARE und seinen angeschlossenen Mitgliedern zurückzugreifen. Alibiaktionen ohne konkreten Unterbau und nachhaltige Arbeit vor Ort verpuffen nur. Rassismus ist auch in Deutschland kein ausgestorbenes Phänomen, wie das Länderspiel in der Slowakei deutlich gezeigt hat.

B.A.F.F. am 09.09.2005


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