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Und wieder einmal „Tatort Stadion“

Am Freitag, den 16.09.2005 fand im Gütersloher Heidewald das Oberligaspiel des FC Gütersloh gegen den VfB Fichte aus Bielefeld statt. Aus verschiedenen Gründen ein spannungsträchtiges Spiel, da es nicht nur um den Derbycharakter ging, sondern auch Personalien zusätzlich einen besonderen Reiz ausmachten. So stand das neue Gütersloher Trainergespann mit Dr. Jörg Weber und Armin Perrey letzte Saison noch in Diensten des VfB Fichte. Auch gab es in den letzten Jahren immer mal wieder den ein oder anderen Spielerwechsel zwischen beiden Vereinen. Für Spannung war also gesorgt, auch wenn die Tabellensituation (der Vierte gegen den Tabellenletzten) dies nicht widerspiegelte.

In der Gütersloher Fankurve fand zum Auftakt eine von den „Aktiven Gütersloher“ durchgeführte Aktion gegen die Kommerzialisierung im Fußball unter dem Motto: „Herz statt Kommerz“ statt. Hier wurde aus Solidarität mit den Fans von Austria Salzburg auf die Situation im Fußball hingewiesen, dass immer mehr Sponsoren in einem Maße Einfluss auf die Vereine nehmen dass diese stellenweise ihre Tradition aufgeben und sogar die Vereinsfarben und Vereinsnamen wechseln. Auch in den deutschen Ligen ein durchaus bekanntes und immer weiter um sich greifendes Problem. Siehe zum Beispiel Werder Bremen mit ihren neuerdings grün-orange- farbigen Trikots. Wie ich fand eine sehr gute und lobenswerte Aktion der Gütersloher Fans. Daumen hoch!

Während der zweiten Halbzeit kamen dann aus dem Bereich rechts der Fankurve (Uhrkurve), der meines Wissens seit jeher Sammelpunkt für rechts tendierendes Publikum ist, verstärkt politisch motivierte Gesänge in Richtung der anwesenden Fichte Fans. So wurden „Böhse Onkelz“ Lieder gesungen, „Rot Front verrecke“ Rufe angestimmt und „Ihr seid nur Scheiß Kommunisten“ Gesänge skandiert. Nach einem Bericht eines Gütersloher Fans (nachzulesen unter http://www.oberliga-fussball.de/wbb2/thread.php?threadid=2461) versuchte die Gütersloher Fankurve diesen Gesängen mit ihren eigenen entgegenzuwirken, um sie somit zu übertünchen. Als Hintergrundinformation sei hier angemerkt, dass es unter den Fichte Fans einige gibt, die sowohl die „Tatort Stadion“ Ausstellung der BAFF in Bielefeld mitgetragen haben, als auch bereits an anderen Aktionen gegen „Faschismus, Rassismus, Gewalt und Diskriminierung im Fußball“ teilgenommen haben. Ob dem rechten Klientel dies bekannt war entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Ca. 10 Minuten vor Spielende war dieser Personenkreis nicht mehr an seinem Platz auszumachen. Als sich kurz vor Spielende vier weitere Gütersloher Ordner zu uns stellten, fragte einer von uns einen Ordner ob dieses Zusammenziehen der Ordner etwa zu bedeuten hätte, dass es beim Verlassen des Stadions noch Ärger in Form von Angriffen gegen die Fichte-Fans geben könne. Diese Anfrage wurde bestätigt. So waren wir darauf bedacht, beim Verlassen des Stadions zusammen zu bleiben, was aber nicht so richtig geklappt hat, da man sich ja mit normalen Gütersloher Zuschauern den Weg zum Ausgang teilte. Noch vor dem Ausgang wurden die ersten von uns dann überfallartig mit Schlägen und Tritten angegriffen. Dieser Angriff wurde von Hitler-Grüßen und NPD Rufen begleitet. Im weiteren Verlauf wurden mehrfach Fichte-Fans angegriffen und verfolgt und es ist lediglich ein glücklicher Zufall, dass keiner bei den Angriffen größere körperliche Schäden erlitt. Erst als nach ca. 5 Minuten eine größere Anzahl Ordner anwesend, war fanden keine weiteren Angriffe der Rechten statt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass zu keinem Zeitpunkt von Fichte-Fans Gewalt ausgegangen ist. Zusätzlich beweisen die Rufe und das Auftreten der Rechten, dass es sich ganz deutlich um eine politisch motivierte Tat handelte und nicht um eine - wie es die Zeitung „Die Glocke“ so lapidar und unkritisch - als „Schlägerei zwischen Fans auf dunklen Stehrängen“ beschreibt. Mit so einer Medienberichterstattung wird nicht nur das Thema „rechte Gewalt in Stadien“ verschwiegen bzw. geleugnet, sondern auch ein völlig falsches Licht auf die eigentlichen Vorfälle und auf die restliche Fanszene (beider Vereine) geworfen. Für mich war nicht nachvollziehbar, warum zum ersten keine der zahlreichen um- und mittendrin stehenden Personen mit eingriffen die Angriffe zu unterbinden und zum zweiten die Tatsache, dass die Ordner- welche ja offensichtlich mit Ärger gerechnet hatten- nicht von vornherein die Gastfans zum Ausgang begleiteten. Sie warteten erst einmal mit gebührendem Abstand, ob denn wirklich etwas passiert um dann erst weitere Ordner herbeizurufen. Polizei kam im Übrigen erst, als wir dann bereits von den Ordnern aus dem Stadion zu unseren Autos begleitet wurden. Meiner Ansicht nach hat der FC Gütersloh, der im Übrigen über einen Gästeblock verfügt, welcher aber erneut nicht geöffnet war, hier ganz klar seine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Gästen verletzt und somit kläglich versagt. Ein Absichern des Ausgangs durch Ordner oder das Öffnen des Gästeblocks hätten diese unschönen Vorkommnisse sicherlich verhindert. Ich hoffe, dass der FC Gütersloh diese Vorfälle zur Kenntnis nimmt um entsprechende Konsequenzen zu ziehen; speziell in der Richtung, aus dem eigenen Zuschauerpotential derart politisch motivierte Straftäter herauszufiltern und ihnen in Zukunft den Zugang zum Stadion zu verwehren.






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07.12.:Antisemitische Vorfälle bei Dresden-Cottbus
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