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Pressemitteilung

BAFF zeigt sich solidarisch mit Adebowale Ogungbure

Erneute rassistische Ausfälle bei einem Oberliga-Punktspiel der Oberliga Süd

Zu erneuten rassistischen Ausfällen kam es am Wochenende bei einem Oberligapunktspiel zwischen dem Halleschen FC und dem FC Sachsen Leipzig. Schon während des Spiels wurde der nigerianische Sachsen-Spieler Adebowale Ogungbure von den Zuschauerrängen als Bimbo beschimpft und mit Affenlauten. Zu alldem schwieg der Stadionsprecher. Nach dem Spiel setzten sich die rassistischen Beschimpfungen fort, als die Spieler den Platz verlassen wollten. Der Spieler Ogungbure soll als Reaktion daraufhin mit zwei Fingern an die Oberlippe und dann den Hitlergruß in Richtung der Tribüne, von welcher die rassistischen Schmähungen kamen, gezeigt haben. Anschließend wurde der Spieler von HFC-Anhängern geschlagen und getreten. In einigen Medien wird die Aktion des Spielers nun als der „negative Höhepunkt“ des Spiels und die rassistischen Ausfälle der Halleschen Fans lediglich als „Provokationen“ dargestellt. Ogungbure ist in dieser Oberliga-Saison nicht zum ersten Mal Opfer rassistischer Schmähungen geworden. Aus diesem Grund hatten Mannschaft und Fans vor zwei Wochen ihren Beistand in einer Fotoaktion erklärt. Nun erwartet ihn eine Anzeige der Polizei wegen „Verwendens verfassungswidriger Symbole“. Über Anzeigen gegen die Angreifer, oder diejenigen die ihn 90 Minuten lang beschimpften, ist natürlich nichts bekannt.



Martin Endemann von BAFF sagte hierzu: „Es ist unglaublich, dass ein farbiger Spieler, der die alltäglichen rassistischen Schmähungen gegen ihn nicht mehr ertragen kann und darauf reagiert, hier als Täter und nicht als Opfer dargestellt wird“.

BAFF erwartet eine offizielle Stellungnahme des HFC zu den rassistischen Vorfällen während des Spiels, eine Entschuldigung beim Spieler Ogungbure und baut darauf, dass der Verein alle Maßnahmen präventiver Art ergreifen wird, die es ermöglichen rechte Tendenzen in der Halleschen Fanszene nicht zur vorherrschenden Meinung werden zu lassen. BAFF fordert weiterhin den FC Sachsen Leipzig auf, sich voll und ganz schützend hinter seinen Spieler zu stellen.

Dieser Fall zeigt erneut, dass Rassismus und Antisemitismus ist in bundesdeutschen Stadien nach wie vor allgegenwärtig sind und doch oft nicht thematisiert werden. Während im Zuge des Sicherheitswahns zur kommenden WM stets die „gestiegene Gewaltbereitschaft“ betont und über zu „verschärfende Sicherheitsmaßnahmen“ diskutiert wird, werden rassistische und neofaschistische Tendenzen in manchen Fanszenen kaum thematisiert. Im Vorfeld der WM wäre es wichtig, im Bereich der Antirassismusarbeit Akzente zu setzen und dabei auf die Kompetenz und Erfahrung von regionalen Projekten vor Ort, der Arbeit der Fanprojekte und von „Football against Racism in Europe“ (FARE) und seinen angeschlossenen Mitgliedern zurückzugreifen. Alibiaktionen ohne konkreten Unterbau und nachhaltige Arbeit vor Ort verpuffen nur. Es gibt einen 9-Punkte Plan des DFB gegen Rassismus, es gibt eine neue FIFA Richtlinie gegen Rassismus, nur an der Umsetzung und an fanbezogener antirassistischer Arbeit scheint es zu mangeln.

B.A.F.F. am 28.03.2006

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an
Martin Endemann
endi@aktive-fans.de


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Pressemeldungen über Rassismus in Fußball, März 06
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