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Berlin
Beiderseits der Mauer waren Berliner Fußballklubs seit je her Anziehungspunkte für rechtsgerichtete Fußballfans und Neonazis. Bis heute formiert sich entsprechendes Potential einerseits bei Hertha BSC, andererseits bei Union und insbesondere dem BFC Dynamo. In Stellungnahmen der Vereine und Presseberichten fiel auf, dass man sich lediglich auf Neonazis von "außerhalb" bezieht, die Fußballfans manipulieren wollen. Fanhistorie und Realität zeigen jedoch, dass es im Umfeld dieser Klubs durchaus rechte Gruppen und Einzelpersonen gibt, die ausgewiesene Fußballfans eben dieser Vereine sind und regelmäßig die Spiele besuchen. "In der Vergangenheit gab es immer wieder rechtsradikale Äußerungen von Besuchern des Olympiastadions", formulierte z.B. Hertha-Sprecher Hans Georg Felder im November 1998. SCHMELZTIEGEL BFC DYNAMO Eine Studie aus dem Jahr 2000 des "Zentrums Demokratische Kultur" über den Bezirk Hohenschönhausen sah im Umfeld des BFC Dynamo Berlin führende Hooligans, die Verbindungen zur Kameradschaft "Germania" pflegen und bereits zu DDR-Zeiten als Neonazis aufgefallen waren. Im Oktober 2000 warb der BFC Dynamo auf seiner offiziellen Homepage für den "Tag der Germanen" im "Berliner Fußball Café" und schrieb, er wolle ebenfalls "einen Beitrag für Freibier, Wein und Hirsch bereit stellen". Der BFC-Fanbeauftragte Rainer Lüdtke fragte: "Muss man sich denn dafür schämen, Germane und stolz auf sein Land zu sein?" Er zeigte kein Verständnis für Bedenken an der Reichskriegsflagge, die lediglich "von den Nazis missbraucht worden" sei. Nach einem Vortrag hätten die Teilnehmenden über nordische Gottheiten gesprochen, die bei Neonazis eine wichtige Rolle spielen. Nach einer Anfrage der "Unabhängigen Anlaufstelle für BürgerInnen" distanzierte sich die damalige BFC-Vorsitzende und SPD-Abgeordnete Karin Seidel-Kalmutzki. Schon 1999 lagen laut Innensenator und Verfassungsschutz Erkenntnisse vor, dass Mitglieder der heute verbotenen, neonazistischen Skinheadbewegung "Blood & Honour" und "Hammerskins" gezielt BFC-Spiele besuchten. Bekannt waren zu diesem Zeitpunkt auch regelmäßige Besuche der brandenburgischen, rechtsextremen Kameradschaft "Havelfront" von BFC- und Hertha-Spielen. Zuvor hatten im Juni 1999 hunderte BFC-Fans im Finale um den Paul-Rusch-Pokal die Fans des FC Türkspor mit volksverhetzenden Sprechchören wie "Eine U-Bahn bauen wir, von Kreuzberg bis nach Auschwitz" und "Türken in den Kosovo" provoziert. Nach Überklettern der Zäune folgten Auseinandersetzungen mit türkischen Spielern und Funktionären. Der damalige Geschäftsführer des Berliner Fußball-Verbandes Gentz verurteilte die "ausländerfeindlichen und nationalsozialistischen Parolen" und konstatierte: "Die Dynamo-Fans sind als gewaltbereit, vor allem gegen Ausländer, bekannt."
"Die NPD weiß, dass es bei uns so eine Strömung gibt", analysierte Hertha-Sprecher Hans Georg Felder Ende 1998 rechte Tendenzen in der eigenen Fanszene. Gesänge wie "Wir bauen eine U-Bahn von XY bis nach Auschwitz" oder "Ruhrpottkanaken ins Gas" waren in S-Bahnen stets volksverhetzender Beigeschmack zu Hertha-Heimspielen. Im Stadion wurde Herthas Hymne "Nur nach Hause" von rechtsgerichteten Fans in "Nur nach Auschwitz" umgedichtet. Als Reaktion auf die Faltblätter und Aufkleber "NPD für Hertha" in den Vereinsfarben wies das Fan-Projekt Berlin 1998 darauf hin, dass Auffälligkeit und Häufigkeiten es nicht mehr zulassen, "von Einzeltätern, irregeleiteten Jugendlichen oder von 'Rechten' zu sprechen, die nicht zu Hertha BSC gehören." Nachdem die NPD bei zwei Heimspielen der Hertha vor den Stadiontoren mit Parolen wie "Arbeit zuerst für Deutsche", "Stadionbau statt Mahnmal" oder "Berlin uns Deutschen" geworben hatte, reagierte der Verein und zeigte Flagge: "Hertha BSC verwahrt sich gegen jede Form von Ausländer-feindlichkeit und Rassismus. Diesbezügliche Kundgebungen bei Spielen im Olympiastadion, sei es durch Gesten, Worte und Transparente, werden von Hertha BSC unterbunden und die handelnden Personen der Strafverfolgungs-behörde übergeben." Der Verein erwirkte eine einstweilige Verfügung, die im Wiederholungsfall ein Ordnungsgeld von bis zu 500.000 DM androhte. Als weitere Reaktion auf die Ereignisse installierte Hertha BSC einen antifaschistischen Videospot, der nicht nur im Stadion, sondern auch in Berliner Kinos gezeigt wurde. "Wenn ein Block von 500 Leuten rechte Parolen brüllt, ist das Dreifache an Ordnern notwendig," attestierte Hertha-Sprecher Felder. Auch die rechtsextremen Parteien "DVU" und "Republikaner" hatten im Bundestagswahlkampf 1998 mehrfach das Olympia-Stadion als Werbefeld genutzt. EISERN GANZ ANDERS? Bei markanten Partien in den letzten Jahren fielen zahlreiche Diskriminierungen und Übergriffe auf. Beim DFB-Pokal-Spiel gegen Borussia Mönchen-gladbach im März 2001 wurde der schwarze Spieler Lawrence Aidoo massiv rassistisch beschimpft. Der Stadionsprecher reagierte prompt und wirkungsvoll. Wie so häufig bei Spielen gegen Türkiyemspor Berlin ertönte nach Spielschluss des verlorenen Viertelfinales um den Berliner Pokal im Mai 2001 aus dem Union-Fanblock "Lieber ein Verlierer sein, als ein dummes Türkenschwein". Auch bei den Derbys gegen den verhassten Lokalrivalen Tennis Borussia kam es immer wieder zu rassistischen, antisemitischen und gewalttätigen Ausschreitungen. Im August 2001 distanzierte sich das Team von Union in einem Offenen
Brief von politischer Propaganda der organisierten Rechten. Insbesondere
ging es darin um die "NPD", die das Heimspiel gegen LR Ahlen
als Werbefeld entdeckte. Darüber hinaus nahm der Betreiber im Juni
2001 die Webseite "www.forza-grande-ultras.de" des Union-Fanclubs
"Massaker Amigos" zeitweise wegen rassistischer Äußerungen
aus dem Netz. |
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