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Homophobie

"Schwabenschwuchteln" und nackte Schalkern

"Wir grüssen die Gäste vom anderen Ufer." (Leverkusen - Choreographie beim Spiel gegen den 1. FC Köln)

Schwulenfeindliche Äußerungen, aber auch "Schwuler XY" als Beschimpfung, sind in der von Männern dominierten Fußballfanszene weit verbreitet. Wurde in den 80er Jahren z. B. "Ewald / der Schnelle / der Homosexuelle" intoniert, folgte in den 90ern "Toni Polster / jeder kennt ihn / den Stricher aus Wien" oder nach der Melodie des Beatles-Hits "Yellow Submarine": "XY ist homosexuell". Fans und Spieler der in violett gekleideten Tennis Borussia Berlin müssen, wie im September 2000 bei Union Berlin, mit Beschimpfungen wie "Arschlochficker" und "Lila-Weiß ist schwul" rechnen. "Schwuler, schwuler BVB" oder "Arbeitslos und homosexuell / Das ist der VfL" - Es kann alles und jeden treffen.

Chauvinistische Männlichkeitswerte in den Fankurven verbieten gleichgeschlechtliche Sexualität - das Gegenteil vorherrschender Härteideale. Schwulsein im Fußball ist out, das Hinterfragen eigener sexueller Neigungen wird verdrängt. Abneigung und Angst werden projiziert auf die jeweiligen Gegner. "Weicheier", "Schwabenschwuchteln", "Arschficker" und "Warmduscher" sind immer die Anderen.

"Meine erste sexuelle Erfahrung habe ich mit einem Mann gemacht."
Pélé

Andererseits stellt das Fußballumfeld einen gesellschaftlich tolerierten Bereich dar, in dem Männer sich berühren dürfen. Ein homosexueller Fußballfan kann sich da nur wundern, wenn Spieler sich nach einem Tor küssend um den Hals fallen. Oder Fans nach dem Spiel Trikots und Beinkleid begehren, bis sie ihrem eigenen Team zusingen: "Zieht den Schalkern die Unterhosen aus."

Im Fanzine "Schalke Unser" berichtete ein homosexueller Schalke-Fan: "Es ist definitiv so, dass es nirgendwo leichter ist, Körperkontakt mit Männern zu haben als im Stadion. Wer als Homo lange keine Zärtlichkeiten mehr ausgetauscht hat, dem empfehle ich in die Nordkurve zu gehen und zu warten, bis unsere Mannschaft ein Tor schießt. Es wird sich umarmt und geherzt und geküsst, dass sich die Balken biegen. Es hat sich hier eine Kultur erhalten, in der Körperkontakt unter Männern möglich ist, ohne sofort der Homosexualität bezichtigt zu werden."

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule
Fußball spielen können."
(Paul Steiner)

Weil Fußballspielen für sie von klein auf das ist, was Jungs und Männer rollengerecht zu tun haben, stehen viele Schwule dem Fußball ablehnend gegenüber. Aber es gibt sie: homosexuelle Fußballer und Fans. Vielerorts gibt es schwule und / oder lesbische Sportvereine. 2000 richtete der SC Janus Köln die schwul-lesbische WM mit ca. 650 FußballerInnen und 34 Teams aus. Bei Hertha BSC Berlin gründete sich 2001 ein schwuler Fanclub.

Bis heute hält sich der DFB zum Thema Schwule im Fußball bedeckt. 2000 erregte der Rauswurf der Spielführerin Martina Voss aus der Nationalelf nach 16 Jahren nicht nur die Gemüter des Frauenfußballs. Die "Frankfurter Rundschau" schrieb dazu: "Während sich einerseits, auf Seite der Aktiven, der Frauenfußball zu einer, in weiten Teilen, lesbischen Kultur von der Kreisliga bis zur Bundesliga entwickelt hat, scheut der DFB dieses Thema wie der Teufel das Weihwasser.

Noch vor wenigen Jahren wurde Nationalspielerinnen unter Androhung ihres Ausschlusses aus der Nationalmannschaft verboten, bei den schwul-lesbischen Euro-Games teilzunehmen." Zumindest in Deutschland sei "der Sport der einzige gesellschaftliche Bereich, der die persönlichen Präferenzen von Menschen durch seine konsequente Verneinung überhaupt zum Tabu macht."

"Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil eine gewisse Furcht vor Aids da wäre."
(Michael Schütz, F. Düsseldorf)

Nach seinem Outing wurde Fußballprofi Justin Fashanu in Nottingham gekündigt. Ohne Rückhalt entwickelte sich Fashanus Mut zur persönlichen Tragödie: Er nahm sich 1998 das Leben. Auch in Deutschland versteckte Heinz Bonn, hoffnungsvolles Nachwuchstalent des Hamburger SV in den 70er Jahren, seine Homosexualität aus Angst vor dem Karriereverlust. Nach mehreren Verletzungen 1973 scheiterte sein Comeback. Die Rede war ebenso vom fehlenden Halt durch das Versteckspiel: Bonn ertränkte seine Ängste um das öffentliche Bekenntnis im Alkohol und wurde 1991 tot aufgefunden, ermordet von einem Prostituierten.

Wie würde reagiert, wenn sich in der Bundesliga der erste schwule Fußballer outet?

   

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