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Spieler & Trainer

Kabinengeflüster

Rassistische Sprechchöre und Ablehnung gegen ausländische oder ausländischstämmige Spieler wird jeder beobachtet haben, der schon öfter in deutschen Fußballstadien war. Sie haben vielerlei Gründe: Einschüchterung und Provokation, Sozialneid, Xenophobie und puren Rassismus - in jedem Fall dürfen sie nicht geduldet werden. Die Verantwortung allein den Fans zuzuschieben, wäre zu einfach.

Immer besteht eine Wechselwirkung mit strukturellem Rassismus. Es handelt sich um Leitlinien der Politik, Stimmungsmache in den Medien, aber auch um rassistische Verhaltensweisen und Aussagen im Inneren des Fußballmilieus.

So wird in der Öffentlichkeit bekräftigt, dass nur "nützliche Ausländer" auch "gute Ausländer" seien. Eine solche Übersetzung diskriminiert jene, die wenig zum Bruttosozialprodukt beitragen. Ebenso missachtet und unterhöhlt die Kategorie "Nützlichkeit" die generelle Toleranz des äußeren Erscheinungsbildes, der jeweiligen Kultur bzw. Ethnie.

"Und manchmal, wenn ein gegnerischer Schwarzer Spieler ein Foul begeht oder eine gute Chance verpasst oder eine Chance nicht verpasst oder mit dem Schiedsrichter streitet, sitzt du panisch zitternd da und ahnst nur Böses. 'Bitte sagt nichts, niemand', murmelst du im Sitzen vor dich hin. 'Bitte verderbt mir nicht alles.' Mir bitte ich zu beachten, nicht dem armen Kerl, der da unten nur Meter entfernt von einigen schlimmen faschistischen Sturmtruppen Fußball spielen muss - von solcher Art ist das nachsichtige Selbstmitleid des modernen Freigeistes." (Nick Hornby)

"Wenn ein Weißer in einem Mercedes sitzt, gilt er als Geschäftsmann. Setzen sie einen Schwarzen in dasselbe Auto, wird er sofort als Drogenhändler angesehen." (George Weah)

"Um die Wahrheit zu sagen: Bis vor 100 Jahren haben renommierte weiße Intellektuelle argumentiert, dass die Schwarzen den Weißen unterlegen sind. Europäische Länder haben ihre industrielle und wirtschaftliche Macht auf dem Rücken der Schwarzen aufgebaut. Die 'Uh-Uh-Uh'- Rufe, die Fans heute von sich geben, sind die logische Folge dieser Kultur." (Lilian Thuram)

Der Ball rollt nach rechts...

****** Werner Lorant (Trainer) sagte über den möglichen Neuzugang Taifour Diane: "Wenn der bis Mittwoch nicht kommt, kann er im Busch bleiben."

****** Toni Schumacher über Urwaldgeräusche: "Das ist kein Rassismus", sondern "normal bei einem gegnerischen Spieler." Und auf die Frage, warum deutsche Spieler verschont bleiben: "Vielleicht, weil die nicht aussehen wie Affen."

****** Lothar Matthäus auf dem Oktoberfest 1993 zu einem Niederländer, der ihn filmen wollte: "Ach, auch noch Holländer, das sind sowieso alles Arschlöcher. Du bist wohl vergessen worden vom Adolf."

****** Der 1. FC Köln schickte seinen Spieler Stefan Engels von einer Israel-Reise nach Hause, weil er Daniel Brailowski (Makkabi Haifa) mit "Heil Hitler" beschimpft haben soll.

****** Als persönlichen Lesetipp nannte Thomas Berthold bei "buecher.de" 1999 Jan van Helsings "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert", das seit 1996 wegen seines antisemitischen Inhaltes in Deutschland verboten ist.

****** Harry Pless (Trainer) zu den Emdenern Oscar Laud und Silas Owusu: "Die Schwarzen sind doch alle gleich. (...) Scheiss Schwarzer." Auch von Betreuern ließ Pless sich nicht vom ausländerfeindlichen Kurs abbringen. Nach der Halbzeit beschimpfte er den Emdener Bosnier Mirsad Tursic. Da dieser kein "Schwarzer" ist, rechtfertigte sich Pless so: "Egal, ist aber auch ein Ausländer".

****** Dieter Schlindwein (FC St. Pauli) beschimpfte seinen brasilianischen Mitspieler Leonardo Manzi als "Schwarze Sau". Der Verein versuchte, den Presseinformanten als Nestbeschmutzer auszusperren. Schlindwein habe "unter den Folgen seiner Äußerung genug gelitten", relativierte auch das Team in einem offenen Brief, nachdem sie Schlindwein unmittelbar danach zum Kapitän gewählt hatte.

****** Otto Rehagel (Trainer): "Die Neger nehmen uns die Arbeitsplätze weg."

****** Anthony Yeboah war in seiner Zeit beim 1. FC Saarbrücken Urwaldgeräusche und "Husch, husch, Neger in den Busch"-Chöre gewöhnt. Bei seinem damaligen Trainer und ehem. NPD-Kandidat Klaus Schlappner hatte er aufgeschnappt: "Der Schwarze ist undiszipliniert, verträgt den Winter nicht und hat Malaria." Schlappner nannte ihn gern "meinen Schwarzwälder".

****** Gerald Asamoah: "Ich wurde mit Bananen beworfen, bespuckt und angepöbelt - auch mein Freund Otto Addo. Wenn wir nach Fouls am Boden lagen hieß es: 'Steh auf, Du Neger!' Auch die Cottbusser Spieler waren daran beteiligt. Das war massiver Hass."

****** Ojokojo Torunarigha hörte "Schlagt den Neger tot", als er in der zweiten Bundesliga beim Chemnitzer FC spielte.

****** Victor Agali: "Mein Berater, ein Deutscher, riet mir: Junge, das ist hier so. Da musst du durch. Als mich ein Gegenspieler mal beleidigt hat, bin ich ausgeflippt. Die Folge war zehn Wochen Sperre, weil man dem anderen nichts beweisen konnte. (-) Ich habe das mit 18 nicht verstanden, wusste gar nicht, was diese Uh-Uh-Rufe sollten. Ich kannte so etwas vorher nicht."

****** Erwin Kostedde: "In München war es schon schlimm, wenn man sonntags in Jeans rumlief. Aber ich trug das ganze Jahr die falsche Hautfarbe." In einer Saison bei Borussia Dortmund spielte Erwin Kostedde, Deutschlands erster dunkelhäutiger Nationalspieler, wegen rassistischen Beschimpfungen durch die eigenen Fans häufig nur bei Auswärtsspielen.

****** "Beschimpfungen wie "Schwarzer Affe", "Nigger-Sau", oder "Husch, husch, Neger in den Busch" hagelten auf Anthony Yeboah nieder. (-) man warf sogar Bananenschalen nach ihm." (FAZ) Anthony Yeboah: "Wäre ich kein Star, müsste ich mich auch verprügeln lassen. Ich möchte in Deutschland nicht um Asyl bitten müssen."

****** Julio Cesar wollte Borussia Dortmund verlassen, weil ihm der alltägliche Rassismus zu viel wurde. Durch die Medien ging, dass ihm aufgrund seiner Hautfarbe der Einlass in eine Dortmunder Diskothek verwehrt wurde.

****** Paul Steiner, Profi beim 1. FC Köln, zu Souleman Sané: "Scheiß Nigger, hau ab! Was willst Du in Deutschland?"

****** Jonathan Akpoborie: "Als ich mit Jena in Berlin gespielt habe, hat mir ein Hertha-Fan eine Banane hingehalten, auf der ich unterschreiben sollte. (-) Zuerst habe ich mich totgelacht, erst später ist mir bewusst geworden, was dahinter steckte."
Autor Uli Jäger: "Jonathan Akpoborie wurde von seinem Trainer Schlappner wegen seiner Hautfarbe beleidigt und diskriminiert."

****** Ilyas Tüfekci (in den 80ern bei Schalke 04) sah in der Diskussion um die sog. "Rückführungsprämie" ein Signal für rechte Fans: "Da haben die Leute (-) auf die Signale aus Bonn reagiert." Mit der Parole "Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg" hatte CSU-Minister Friedrich Zimmermann 10500 DM "Rückführungsprämie" für "heimkehrwillige" Türken geboten.

****** 1999 verließ Moudachirou Amadou den FC Energie Cottbus. Der alltägliche Rassismus in der Stadt war für ihn und seine Frau unerträglich. Dazu Trainer Petrick Sander: "Durch solche unbelehrbaren Idioten haben wir einen guten Spieler verloren - vielleicht rüttelt das auf." Geschäftsführer Klaus Stabach ergänzte: "Ich kann es mir vorstellen, denn so 'ne Menschen gibt es überall."

****** Abderrahim Ouakili zu einem Ausfall Mario Baslers: "Nach einem Tackling hat er mich angeschnauzt, ob ich ihn nicht kennen würde. Wer ich überhaupt sei, er verdiene zwei Millionen und ich nur zwei Mark. Als ich sagte, er solle lieber Fußball spielen, nannte er mich ein 'scheiß-marokkanisches Arschloch' (...) Arschloch allein hätte auch gereicht."

****** 1992 war der Togolese Bachirou Salou kurz davor Borussia Mönchengladbach zu verlassen, weil seine Frau und er die Beschimpfungen im alltäglichen Leben nicht mehr ertragen konnten.

****** Anthony Baffoe schrieb 1990 mit Souleman Sané und Anthony Yeboah einen Offenen Brief an die "Bild": "Helft uns, wir wollen kein Freiwild sein. (-) Rassistische Rufe von den Rängen nehmen leider zu. Was wir in Stadien an Beleidigungen zu hören bekommen, ja erdulden müssen, trifft ins Herz. (-) In keinem anderen Land in Europa sind schwarze Fußballer derlei Verunglimpfungen ausgesetzt."

   

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